Boxsport als Resozialisierungsmaßnahme

Obwohl es sich für viele anfangs wohl etwas befremdlich anhört, Studien und erfolgreiche Sozialprojekte haben nun bewiesen, dass der Boxsport bestens als Resozialisierungsmaßnahme eingesetzt werden kann. Warum dies so ist und wie das Projekt „Work and Box Company“ sich dem Kampfsport als Sozialisierungsmaßnahme bedient, werden wir versuchen in den folgenden Zeilen genauer zu betrachten.

Kampfsport zur Resozialisierung

Im Gegenteil zur allgemein verbreiteten Meinung, dass Kampfsport gewaltfördernd wäre, haben neueste Studien den umgekehrten Effekt bewiesen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wer regelmäßig Kampfsport trainiert und mit den Grundideen der verschiedenen Kampfkünste in Berührung kommt, lernt mit der Zeit die eigene Disziplin zu verbessern. Selbstbeherrschung und Kontrolle von Emotionen und Handlungen gehören in vielen Kampfstilen zu den obersten Geboten. Da den Schülern bereits im Training gelehrt wird, Aggressionen zu kontrollieren, können die Trainierenden dies auch im Alltag oder Konfliktsituationen umsetzen. Gleichzeitig werden Aggressionen oder Frust durch kontrolliertes Training bereits im Vorfeld von Konflikten abgebaut. Aus den genannten Gründen eignen sich der Kampfsport und insbesondere der Boxsport bestens, um Straftäter im Vollzug zu Resozialisieren und sie auf Stresssituationen im Alltag vorzubereiten. Gerade deshalb sind an vielen Orten soziale Projekte wie „Work and Box Company“ ins Leben gerufen worden. Die Projekte  begleiten jugendliche Straftäter während ihrer Zeit im Gefängnis und vermitteln ihnen mit Kampfsport neue Werte und Ideale. Da viele Jugendliche schon zuvor sehr großes Interesse am Boxsport hatten, sind die Trainingsbereitschaft und die Motivation der Schüler meist enorm. Durch die stets neuen Trainingsmöglichkeiten kommt bei den Jugendlichen auch keine Langeweile auf. Außerdem eignet sich das Training perfekt, um sogenannte Deeskalationsübungen einzubauen, wo man Stresssituationen simulieren und die richtige Reaktion darauf erlernen kann.

Resozialisierung durch Boxen – Work and Box Company

Das Projekt zur Resozialisierung von jugendlichen Straftätern wurde vom Münchner Unternehmer Rupert Voß und seinem Trainerteam im Jahre 2003 ins Leben gerufen. Das Projekt stellt sich das Ziel, Straftäter mit Hilfe von ausgiebigem Boxtraining wieder auf den rechten Weg zu bringen. Laut eigenen Aussagen hat das Team rund um Trainer Voß eine Erfolgsquote von 80 Prozent vorzuweisen. Die Teilnahme am Training ist freiwillig, doch die meisten Jugendlichen nehmen gern am Trainingsprogramm teil. Jeder der Straftäter erhält einen auf ihn individuell angepassten Trainingsplan. Das Training soll dazu beitragen, die Jugendlichen wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen. Für viele der Insassen heißt es: Boxen oder Knast?
Von den bisher 130 Teilnehmern haben 109 die Betreuung innerhalb von 8 – 12 Monaten abgeschlossen. 88 Teilnehmern wurde eine Arbeit oder Ausbildung vermittelt. 3 Jahre nach der Betreuung sind über 80 Prozent der entlassenen Straftäter immer noch straffrei – ein Erfolg, der ohne das ausgiebige Boxtraining nur schwer zu erreichen gewesen wäre. Laut Statistiken erhalten nämlich nur 20 Prozent aller Straftäter, die nicht am Projekt teilnehmen oder teilgenommen haben nach Ihrem Strafvollzug einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Die Gründe dafür, dass die Jugendlichen vom rechten Weg abgekommen sind, sind laut Voß sehr unterschiedlich. Oft sind fehlende oder verkorkste Beziehungen bzw. Familienverhältnisse der Grund für die Entgleisungen. Probleme zu Haus oder er Schulabbruch lassen die Jugendlichen in ein kriminelles Umfeld abdriften. Ziel des Projekts von Voß ist es, die Jugendlichen von der Straße zu holen und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu vermitteln. Dabei gilt stets der Grundsatz: Wer sich selbst liebt, schlägt keine anderen. An die resozialisierende Wirkung von Gefängnissen oder gar Bootcamps – wie man sie aus den USA kennt – glaubt Voß nicht. Gefängnisse helfen den Jugendlichen nicht, sondern traumatisieren nur noch mehr bzw. setzen dem Ganzen noch einen drauf, so Voß. Aus diesem Grund hat er seine Boxschule gegründet. Das Training funktioniert dort im Grunde ähnlich wie in anderen Boxstudios. Es werden lediglich vermehrt Alltagssituationen und Konflikte simuliert, um den Jugendlichen den gewaltfreien Umgang mit solchen Situationen näherzubringen.

Wie man sehen kann, ist der Boxsport nicht nur perfekt geeignet, um sich fit zu halten und seinen Körper zu trainieren, sondern hat auch einen psychologischen Wert, welcher Jugendlichen und anderen Straftätern dabei hilft, in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren. Aus diesem Grund wird Boxen seit längerem erfolgreich als Resozialisierungsmaßnahme eingesetzt. Dazu gibt es mittlerweile auch eine interessante Dokumentation. Regisseur Gerardo Milsztein hat Unternehmer Voß über ein Jahr lang bei seiner Arbeit mit den Jugendlichen begleitet und dokumentiert, wie sich die Jugendlichen dank dem Boxtraining zum Positiven verändert haben.

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.